Fernlicht

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Project description

Fernlicht is a distributed installation. It utilizes a sensor network to measure activity and visualizes this activity at a remote location.

An ambient sensor network at the University of the Arts gathers anonymous data about the nightly activity in the building. The from different kinds of sensors within the network is then transformed into datastrem and transmitted to a distant location in the city center. Here the activity is visualized through abstract light patterns on a matrix of custom-made, low-cost light elements that can be flexibly adapted to fit different environments.

Fernlicht is an interdisciplinary collaborative project, conducted by students from the University of the Arts, Bremen and Bremen University. The project can be seen as a comment on the recent political discussion about closing the school building during night time.

Projektbeschreibung

Die vielfältige nächtliche Aktivität in den Räumen der Hochschule für Künste in Bremen soll Spuren an einem exponierten Ort hinterlassen und unaufdringlich Teil der Ästhetik des Bremer Nachtlebens werden. Aus Information und Licht konstruiert Fernlicht eine enge Verbindung zwischen dem Hafengebiet − der Überseestadt − und dem Bremer Stadtkern.

Drahtlose Sensornetzwerke werden an der Hochschule für Künste so aufgebaut, dass sich aus den Messwerten sinnvolle und gleichzeitig anonymisierte Hinweise auf menschliche Präsenz ableiten lassen. Ein zentraler Knotenpunkt integriert kontinuierlich alle eingehenden Daten anhand vorhandener Informationen über Umgebung und Typus der zu erkennenden Aktivitäten. Das Resultat ist ein aufbereiteter Datenstrom, der via Internet übermittelt wird.
Um die bereitgestellten Aktivitätsdaten in Lichtimpulse zu verwandeln, werden auf der Gegenseite der Installation arrangierte Beleuchtungselemente gezielt angesteuert, beispielsweise im gleichmäßigen Raster der Fensterfront eines Bürogebäudes. Neben der Anpassung an gegebene Architektur erscheinen weiterhin auch eigenständige Arrangements reizvoll, die bei der Illuminierung von Gehwegen in öffentlichen Anlagen oder als Licht-Mobiles in überdachten Bereichen Akzente setzen.

Für den Aufbau einer Lichtmatrix in großem Maßstab spielen kostengünstige Verfügbarkeit, geringes Gewicht und flächige Ausleuchtung der einzelnen Lichtfelder eine bedeutsame Rolle. Leider werden diese Anforderungen durch auf dem Markt verfügbare Produkte nicht oder nur teilweise erfüllt. Die selbständige Eigenentwicklung und Herstellung einer leichten und robusten Leuchte auf LED-Basis ermöglicht dem Projekt Fernlicht einen einfachen und flexiblen Aufbau auf der Visualisierungsseite.

Prägendes ästhetisches Element der Visualisierung ist die Ansteuerung auf der Grundlage eines sogenannten zellulären Automaten. Nicht grob aufgelöste Filme auf einem überdimensionierten Display tragen die Idee, vielmehr treten die Felder der Lichtmatrix selbst miteinander in Interaktion. So entstehen unvorhergesehene Muster und Wellen, die sich rasant in der Matrix ausbreiten. Fernlicht kombiniert mit einem hybriden Ansatz die verselbständigte Musterentwicklung simulierten Lebens mit dominanten Regeln, die stets eine adäquate Korrelation mit der gemessenen Aktivität gewährleisten. Neue Zellen werden einer sich entwickelnden Population an entscheidenden Punkten künstlich hinzugefügt, sobald die Sensoren an der Hochschule für Künste Aktivität erfassen. Ein Ausbleiben relevanter Messdaten hingegen hemmt auch das Geschehen auf der Visualisierungsseite. Die Lichtmatrix pulsiert und ist ständiger Veränderung unterworfen: Das Gesamtbild strahlt in seiner abstrakten Form Lebendigkeit aus und fügt sich in die Ästhetik der nächtlichen Stadt ein.

Notwendige Voraussetzung des modularen Konzeptes ist eine angemessene Schnittstellengestaltung, die Datenfluss und sinnvolle Übersetzung auch bei wechselnden Umgebungen und Anforderungen gewährleistet. Unter Einbezug drahtloser Übertragungsstandards und bewährter Protokolle wie TCP/IP oder MIDI wird ein flexibles System geschaffen, dessen Bestandteile sich einfach koppeln lassen. Die integrale Übersetzung zwischen sensorischer Erfassung und gleichzeitiger Lichtsteuerung zur Visualisierung an einem entfernten Ort leistet ein eigens entwickeltes algorithmisches Modul. Aus vielfältigen Aktivitätsdaten wird ein einheitliches, abstrahiertes Metasignal erzeugt, das auch bei geringer Bandbreite schnell zu übertragen ist.

Fernlicht ist ein eigenständiges studentisches Projekt an der Hochschule für Künste in Bremen. Beteiligt sind Lutz Dickmann, Marion Fröhlich, Kristian Gohlke, Florian Meier, Monique Teichert und Andreas Wiegand, sowie als Berater Prof. Christoph Lischka.

fernlicht.pdf (german)